Mal angenommen, in unserer Freundschaft es ist jetzt Winter.

Dann wächst nichts.

Es ruht einfach.

Bis der Frühling kommt.

Bis es taut.

Bis die warmen Sonnenstrahlen den Boden aufbrechen.

Bis die ersten Schneeglöckchen das Ende des Winters ankündigen.

 

Mal angenommen, der Winter geht vorbei,

wie schade wäre es, wenn ich nicht warte, bis die Kälte vorüber ist?

Ich würde nie den Frühling erleben,

auch nicht den Sommer und könnte somit auch die Früchte nicht geniessen.

Alles hat seine Zeit.

Kann ich warten? Kann ich gedulig sein? Kann ich treu und integer bleiben, auch wenn gar nichts mehr geht? Kann ich glauben, dass der Boden wieder taut, die Blumen wieder blühen und die kalten Tage der Vergangenheit angehören werden?

 

Wenn ich das kann, dann glaube ich, dass ich deinen Namen auf mein Herz schreiben kann.
Weil Liebe alles aushält.

 

K.B.

Geschichte zum Buch

Es ist das Jahr 2020. Alles steht still, ein einziges Virus hält die ganze Welt in Schach. Die Strassen sind leer, die Flugzeuge bleiben am Boden. Was vorher normal und alltäglich war, ist mit einem Mal nicht mehr möglich. Wir werden dazu angehalten, Abstand zu wahren und viele Menschen und ganze Gegenden werden isoliert.

Auch mich beschäftigt das Thema Isolation. Wenn auch aus einem etwas anderen Grund.

Anfangs Jahres begann ich dieses Buch zu schreiben. Ich wollte über Freundschaft berichten und wie es möglich ist, aus der Einsamkeit und Isolation herauszufinden und echte Freundschaften zu leben. Da wusste ich noch nicht, was in diesem Jahr auf uns zukommen wird.

Kaum hatte ich mit dem Schreiben begonnen, brach diese weltweite Krise in unser aller Leben hinein und hat Wochen, ja monatelang alles stillgelegt.

Jede und jeder von uns wurde an einem anderen Punkt herausgefordert.

Das Alleinsein macht etwas mit uns, ob wir es wollen oder nicht.

Für mich tat sich ein Zeitfenster auf, in dem ich mich äusserlich total unabgelenkt dem Schreiben widmen konnte, während meine Freundin rund um die Uhr arbeiten musste, da sie einen Pflegeberuf ausübt. Unsere ohnehin schon strapazierte Freundschaft wurde nun richtiggehend geprüft.

Da sass ich tagelang und schrieb über Freundschaft, während meine Freundin plötzlich unerreichbar für mich wurde, und ich musste mir eingestehen, dass all die Themen, über die ich schrieb, mich nochmals von Neuem herausforderten. Wie gerne hätte ich mich doch mit ihr ausgetauscht und beraten über all das, was ich schrieb! Als ich etwa in der Hälfte des Buches angekommen war, entfachte sich zwischen uns ein heftiger Streit und lange wusste ich nicht, wie das Ende dieser Geschichte ausgehen wird. Werden wir weiterhin noch befreundet sein oder muss ich letztendlich darüber berichten, dass unsere Freundschaft die Krise nicht überstanden hat?

Am Liebsten hätte ich alles in eine Ecke geworfen.

Wie um alles in der Welt soll ich über Freundschaft schreiben, wenn meine eigene Freundschaft – von der ja schliesslich dieses Buch handelt – gerade jetzt in die Brüche zu gehen droht?!

Während zwischen uns frostiges Schweigen herrschte, wurde ich dazu aufgefordet, über all die schönen Stunden zu schreiben, die wir zusammen erlebt hatten.

Das tat weh. Andererseits half es mir auch, die Blickrichtung immer wieder zu wechseln. Sich in Krisen an das Gute zu erinnern, ist keine schlechte Strategie …

Es ist diese Zeitfrage, die mich seit Anbeginn unserer Freundschaft beschäftigt, gequält und herumgetrieben hat. Als Frau, deren Liebessprache die ungeteilte Zeit ist und die „Zeit-füreinander-haben“ als eine ihrer obersten Prioritäten im Leben gesetzt hat, war und ist es für mich eine harte Knacknuss, damit fertig zu werden, wenn mir jemand seine Zeit nicht oder nur sehr begrenzt schenkt.

Wie kann ich all die Enttäuschungen wegstecken, wenn ich zum x-ten Mal auf später vertröstet werde?

Wie kann ich Freundschaft mit einer Frau leben, die findet, dass es nicht darauf ankommt, wie oft wir uns sehen, wo gerade für mich Verbindlichkeit und Nähe so wichtig ist?

Wie gesagt, betrifft uns dieses Thema nicht erst seit COVID 19. Es ist ein Dauerbrenner, seitdem wir uns kennengelernt haben. Wochenlang hatte ich bei Gott herumgestürmt, dass er doch etwas tun und die Situation wieder so herstellen soll, dass ich endlich wieder mehr Zeit mit meiner Freundin bekäme.

Von Gott habe ich eine einzige Antwort darauf bekommen. Nein, eigentlich zwei!

Doch die „Vertraust du mir? “-Frage gehört ja beinahe schon zur Standardantwort, die ich jeweils vom Himmel höre.

Frustriert musste ich erleben, dass genau das Gegenteil von meinen Gebetswünschen eintraf und eine Schwierigkeit der nächsten folgte. Neben beruflichen Herausforderungen trafen Unfälle, Krankheiten und Todesfälle in der Familie meiner Freundin ein und nahmen ihre Zeit und Aufmerksamkeit total in Beschlag. Ich stürzte zunehmend in ein seelisches Loch. Die Zeitwunde meiner Kindheit kam an die Oberfläche und statt meiner Freundin Verständnis und Liebe entgegenzubringen und sie in diesen schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen, wurde ich richtiggehend wütend auf sie und zog mich beleidigt zurück.

Noch einmal war es ein Traum, der mich aufrüttelte und die simple Botschaft darin forderte mich unglaublich heraus.


„DIE VERÄNDERUNG BIST DU!“


Es brauchte eine geraume Zeit, bis ich diese Aufforderung verstand und auch annehmen konnte. Die Umstände würden sich also nicht ändern, doch ich kann mich verändern oder besser gesagt, verändern lassen, so dass Neues möglich wird.

Glaube mir, dies ist nicht meine Lieblingsbotschaft!

Tiefe in einer Beziehung geschieht nicht an den Sonnenscheintagen. Tiefe geschieht in einem Prozess, der zuweilen sehr schmerzhaft ist.

Das ist dann eben das teure Salböl, dasjenige, das etwas kostet.



All die Prozesse, die Reisen, die Erlebnisse, von denen ich in diesem Buch erzähle, sind real und durchlebt. Ich bin an ihnen gewachsen und bin über sie gestrauchelt, ich wurde beschenkt und musste zurückstecken.

Manche Abläufe, Zeitspannen und Prozesse habe ich in künstlerischer Freiheit etwas angepasst, damit sie für meine Leserinnen gut nachvollziehbar und verständlich sind. Trotz diesen kleinen Abweichungen kann ich sagen, dass ich versucht habe, aus meiner Sicht alles wahrheitsgetreu niederzuschreiben.

Mein Wunsch und meine Hoffnung ist es, dass du mit dem Lesen dieses Buches neuen Mut und Ideen bekommen hast, den Herausforderungen in Beziehungen kreativ und freudig zu begegnen und dass dir meine Briefe auch weiterhin helfen können, neue Lösungswege zu finden. Freundschaften sind ein Geschenk und zu kostbar, um weggeworfen zu werden!